Haydn - L'anima del filosofo, ossia Orfeo ed Euridice / Bartoli · Heilmann · D'Arcangelo · AAM · Hogwood


 
Haydnscher Hochgenuß in Idealbestzung
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Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Haydn - L'anima del filosofo, ossia Orfeo ed Euridice / Bartoli · Heilmann · D'Arcangelo · AAM · Hogwood (Audio CD) Eigentlich wollte ich diese Aufnahme ja boykottieren: Die Idee, beide weiblichen Hauptrollen von Cecilia Bartoli singen zu lassen, erachte ich als gleichermaßen unseriös wie ärgerlich (ist der gleiche verkaufszahlenorientierte Decca-Manager dafür verantwortlich, der auch Andrea Bocelli in Zubin Mehtas "La Boheme" hineinpflanzte?). Aufgrund eines Sonderangebots habe ich dann doch zugegriffen - und bereue dies nicht im Geringsten: "Orfeo ed Euridice" ist eine der schönsten Haydn-Aufnahmen, die ich kenne.
Zunächst das Stück: kurzweilig, voller anmutiger Melodien, dabei gefühlsintensiv und durchaus dramatisch, (nach Gluckschem Vorbild?) in farbigem, flüssigem Wechsel zwischen (eher kurz gehaltenen) Soloarien, ausdrucksstarken Accompagnato-Rezitativen und Ariosi, Ensembles und Chören, mit einer Besetzunng, in der sich die drei Protagonisten Bartoli, Heilmann und Hogwood jeweils von ihrer besten Seite zeigen.
Ich mag CECILIA BARTOLI wirklich, aber in ihren sonstigen Aufnahmen scheint sie mir nicht immer idealbesetzt: manchmal (z.B. in gewissen Rossini-Arien) kann sie der geforderten Dramatik nur durch stimmliches Andicken Herr werden, in anderen Rollen hingegen (z.B. in Händels Rinaldo) wirkt sie mit ihrem spezifischen Timbre nicht mädchenhaft, nicht natürlich genug. Als Euridice vermag sie hingegen alle ihre Trümpfe ausspielen: hingebungsvolle Empfindsamkeit, eine Piano- und Pianissimo-Kultur, die den Atem anhalten läßt, an anderer Stelle wohldosierte und exemplarisch geläufige Koloraturen, die nie in die Oberflächlichkeit abrutschen: ein wahrer Hörgenuß. Schade, daß die (ohne Not selbst geschaffene) Notwendigkeit, bei der Rollengestaltung des Genio den Stimmklang zu modulieren, um beide Protagonisten von einander abzusetzen, die gewisse Künstlichkeit ihrer stark kontrollierten Stimmführung noch besonders hervorhebt...
Von UWE HEILMANN hatte ich mir eigentlich nicht viel versprochen: für seine Herrscher- und Heldenportraits in Mozarts frühen Opera seriae konnte ich mich bislang nicht sonderlich erwärmen. Erst hier, als schwärmerisch-sanfter Orpheus, wird im besonderen Maße deutlich, was für einen geschmeidigen, schlank geführten lyrischen Tenor er in einem ihm angemessenen Umfeld entfalten kann.
Die Basis für das Aufblühen des schmerzensreichen Liebespaares bilden CHRISTOPHER HOGWOOD und seine Academy auf nicht zu übertreffende Weise: Während mir in Hogwoods Händel-, Mozart- oder Beethoveninterpretationen immer wieder das notwendige Quantum an Risikofreude, Aggressivität oder Größe fehlte, trifft er hier den Haydnschen Ton auf berührende und stets überzeugende Weise; der transparente, seidenweiche, duftige Klang des Orchesters umgibt die Protagonisten wie sanftes Scheinwerferlicht; - in keinem Moment würde ich hier gegen kantigere, forschere Ansätze eines Harnoncourt, Gardiner oder Jacobs tauschen wollen: Dies ist Musik, die glücklich macht!
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 15. August 2008
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